Aranka (Name geändert) ist in staatlicher Obhut aufgewachsen. Zsuzsa und ihre Mitarbeiter-innen lernten sie in einer dieser Einrichtungen kennen. Sie hatte keinen stabilen familiären Hintergrund und wechselte aufgrund ihrer Schwierigkeiten mehrmals zwischen verschiedenen Heimen hin und her. Aranka hat nie wirklich erfahren, wie ein sicheres und unterstützendes Umfeld aussieht und fühlte sich deshalb oft allein und unerwünscht. Als Teenager war ihr grösster Wunsch nicht Geld oder Reisen, sondern geliebt und akzeptiert zu werden. Sie suchte nach jemandem, der sich um sie kümmerte, der ihr das Gefühl gab, wichtig zu sein und ihr Leben wertschätzte. Aus diesem Grund ging sie sehr schnell Beziehungen ein. Wenn ihr jemand Aufmerksamkeit schenkte, brachte sie dieser Person schnell ihr Vertrauen entgegen. Leider waren diese Beziehungen oft ungesund und manchmal sogar missbräuchlich. Auch wenn sie erkannte, dass eine Beziehung nicht gut war, blieb sie darin, weil sie Angst hatte, wieder allein zu sein. Aranka wollte dieses Gefühl, irgendwo dazuzugehören, nicht verlieren. Und das machte sie besonders verletzlich – ohne Unterstützung, ohne gute Vorbilder. Es fiel ihr sehr schwer, Warnsignale in ihren Beziehungen zu erkennen oder emotionale Manipulation zu durchschauen.
Ihre Geschichte spiegelt etwas wider, das wir häufig beobachten. Junge Menschen, die ohne stabile Beziehungen aufwachsen, sind oft sehr verletzlich – nicht nur wegen Armut und mangelnder Bildung, sondern auch wegen ihres emotionalen Bedürfnisses nach Liebe, Zugehörigkeit und Freundschaft. Und genau das macht sie besonders anfällig für Ausbeutung und Missbrauch in Beziehungen.
Genau hier setzen wir mit unserem Präventionsprogramm an: Wir klären auf und stärken junge Menschen genau dort, wo sie am verletzlichsten sind. Für eine Zukunft, in der Liebe nicht mit Ausbeutung verwechselt wird.
Sarah Scheuzger, Mitarbeiterin Lona Project